Die Insel Krapanj

DIE INSEL KRAPANJ - INSEL DER SCHWÄMME UND DER FISCHERINNEN 


Die Insel Krapanj ist Teil der Sibeniker Inselgruppe. Sie ist die kleinste, niedrigste und am dichtesten besiedelte Insel des Mittelmeeres, wenn man ihre Oberfläche von lediglich 0,36 km2 berücksichtigt. Vom Festland und von dem ruhigen Küstenstädtchen Brodarica, mit dem es administrativ verbunden ist, ist die Insel lediglich 300 m entfernt. Während des gesamten Jahres setzt jede Stunde aus Brodarica ein Boot nach Krapanj über. Dieser Ort, der durchschnittlich 1,5 m oberhalb des Meeresspiegels liegt und eine typisch mediterrane Architektur mit ihren charakteristischen Steinhäusern und Gässchen aufweist, ist am bekanntesten für seine Jagdmöglichkeiten, für die Bearbeitung der Schwämme sowie für die ungewöhnliche Beschäftigung der Frauen - die Fischerei. 


Und während die männlichen Inselbewohner bereits seit 300 Jahren in der traditionellen Schwammherstellung tätig sind, haben die früheren weiblichen Inselbewohnerinnen die Felder im Sibeniker Hinterland bestellt, die Ruder in die Hand genommen und sind zum Fischen ausgefahren, obwohl sie in der Regel nicht schwimmen konnten. Auf Krapanj waren die Frauen Feldarbeiterinnen und Fischerinnen und Hausfrauen und Mütter, während ihre Ehemänner, ihre Söhne und ihre Väter täglich im Meer tauchten, ihr Leben riskierten und Schwämme mit primitivem Werkzeug - Hakenspießen - ans Tageslicht beförderten. Und es geschah nicht selten, dass einer der jungen Männer nicht mehr an die Meeresoberfläche zurückkehrte. 



MEERESSCHWÄMME


Es mag Ihnen vielleicht komisch vorkommen, aber Schwämme sind Tiere und keine Pflanzen. Innerhalb der Evolutionsgeschichte zählen sie zu den ersten mehrzelligen Wesen, die auf der Erde entstanden sind. In den Weltmeeren existieren über 5000 unterschiedliche Schwammarten, von denen lediglich 15 einen Gebrauchswert haben. Diese werden von den Schwammmachern «zahme Schwämme» genannt. Prinzipiell gedeihen Schwämme in wärmeren Meeren. Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass die Schwämme eine erneuerbare Tierart sind: Wenn ein Schwamm richtig abgeschnitten worden ist, dann entsteht an seinem Platz ein neuer Schwamm. Schwämme lieben warme, ruhige und reine Meere, sie ernähren sich von Plankton und wachsen fest verwurzelt in einem felsigen Meeresgrund bis zu einer Tiefe von 200 m. Ein Schwamm benötigt 2 - 4 Jahre, um zu einer Größe und Breite von 15 cm heranzuwachsen. Er nimmt Plankton auf, indem er Meerwasser filtriert. Bemerkenswert ist die Tatsache, dass ein Schwamm mit einer durchschnittlichen Größe täglich etwas weniger als 2000 Liter Meereswasser filtriert.


Im kroatischen Meer ist eine sehr hochwertige rundliche Schwammart ansässig, die sogenannte Dalmata Fina, die im Durchschnitt bis zu 40 cm groß wird. Für sie ist eine sehr feine Struktur charakteristisch, wegen der sie auf dem Markt sehr geschätzt wird. Außer dieser gedeiht in der Adria noch eine weitere Schwammart, die wegen ihrer spezifischen Form und ihrer charakteristischen Konsistenz Elefantenohr genannt wird. Diese Sorte kann sogar einen Durchmesser von bis zu 1m erreichen, aber sie wird nicht so geschätzt wie ihre zahme Verwandte.



DIE GESCHICHTE DES SCHWAMMHANDWERKS UND DER SCHWAMMMACHER AUF KRAPANJ


Mit dem Schwammhandwerk beschäftigten sich die Menschen bereits im Altertum, zunächst auf den Ägäischen Inseln und dann im gesamten Mittelmeerraum und zwar so, dass man bis zu einer Tiefe von ca. 30 m tauchte. Später tauchte man mit einem „Glocke" genannten Apparat, der es dem Taucher ermöglichte, noch tiefer zu tauchen. Die erste schriftliche Erwähnung des Schwammhandwerks an den kroatischen Küsten datiert aus dem Jahre 1522. Seit diesem Zeitpunkt beginnt die Entwicklung dieses Gewerbes, dem sich von allen Bewohner der östlichen Mittelmeerküste einzig und allein die Einwohner von Krapanj widmeten. 


Wie man Schwämme "jagt", wie man qualitativ hochwertige Schwämme erkennen kann und wie man sie bearbeitet, lernten die Krapanjaner im 17. Jahrhundert von Bruder Antun aus Griechenland. In dieser Zeit holte man die Schwämme (auf Kroatisch: spužva, die lokale Bezeichnung lautet „spuga") mit einem Hakenspieß nur aus einer Tiefe von bis zu 16 m. Mit der Entwicklung der Tauchausrüstung sowie der Tauchapparate nahm auch die Tauchtiefe zu. Am Ende des 19. Jahrhunderts bestand die Mannschaft auf Krapanj, die nach Schwämmen tauchte, aus etwa 8 Leuten, wobei nur zwei bis drei Mitglieder dieser Mannschaft tatsächlich Taucher waren. Zwei arbeiteten als Ruderer, zwei Arbeiter betätigten die Luftgeräte und zwei wuschen und trockneten die aus dem Meer geholten Schwämme. Die Krapanjaner gründeten im Jahre 1893 eine Genossenschaft, die einen Tauchapparat geschenkt bekam. Am Ende des 19. Jahrhunderts arbeiteten in dieser Genossenschaft an die 14 Taucher. Im Jahre 1940 besaß die Genossenschaft an die 20 Tauchapparate für die gleichfalls 20 Mitglieder umfassende Mannschaft. Zu dieser Zeit lebten ungefähr 400 Leute auf Krapanj ausschließlich von der Schwammherstellung.


Interessant ist die Tatsache, dass die „Jagd" auf Schwämme jedes dritte Jahr verboten war, um so den Schwammbestand zu erhalten. 


Auf Krapanj sind heute an die zehn Mannschaften mit der „Jagd" auf Schwämme beschäftigt. Der technische Fortschritt brachte es mit sich, dass kleine Betriebe die früher in Handarbeit erledigt Weiterverarbeitung heute maschinell durchführen. 



DAS HERAUSHOLEN DER SCHWÄMME UND IHRE VERARBEITUNG


Der aus dem Meer geholte Schwamm ist mit einem dünnen, dunklen, fast schon schwarzen Häutchen bedeckt, das zahlreiche Löcher aufweist, durch die das Meerwasser fließt. Auf diese Weise ernährt sich der Schwamm. Damit der Schwamm seine charakteristische hellgelbe Farbe erhält, muss man dieses Häutchen abziehen. Die helle Struktur, die wir dann erhalten, ist eigentlich das Skelett des Schwamms, das aus einem speziellen Material mit einem Jodanteil von 14 % besteht. Bis zum Jahre 1912 haben die Schwammmacher die dunkle Haut durch Stampfen und Auswaschen entfernt, was den Bearbeitungsprozess deutlich verlangsamte und den Preis des Endprodukts entsprechend verteuerte. Aber zu Beginn des 20. Jahrhunderts führte man in die Weiterverarbeitung Natriumsulfat ein, was die Entfernung der kalziumhaltigen Bestandteile erleichterte, sodass der Schwamm viel schneller seine helle Farbe erhielt und der gesamte Weiterverarbeitungsprozesse sich deutlich vereinfachte. 



VERWENDUNG DER SCHWÄMME


Der Schwamm ist als ein außerordentlich hygienisches und zugleich qualitativ hochwertiges Mittel zum Waschen bekannt. Schon die Römer haben mit der „Elefantenohr" genannten Schwammsorte das Innere ihrer derben Metallpanzer ausstaffiert, während man im Mittelalter damit begann, die Schwämme in der Medizin zu nutzen. In der Moderne versuchte man angesichts des Anwachsens der Schwammverwendungen mit Hilfe von verschiedenartigen synthetischen Materialien die einzigartigen Eigenschaften der Naturschwämme zu übertreffen - allerdings ohne Erfolg. Kein einziger Kunstschwamm kann so viel Flüssigkeit aufsaugen, ist so weich und zugleich so beständig wie ein Naturschwamm, der damit auch weiterhin das beste Mittel für Pflege und Waschen ist. Außer für kosmetische und hygienische Zwecke verwendet man den Schwamm auch bei der Restaurierung von Kunstwerken, für die Feinbearbeitung von Keramik, Porzellan, Leder und Holz sowie in der Medizin und in Laboratorien.