Naturschutz und Tourismus

Die Tourismusfunktion des Parks Plitvicer Seen geht aus der Existenz des Gebietes als geschützter Nationalpark hervor. Zu Wissenschafts-, Bildungs- und Erholungszwecken gilt es, die besonderen natürlichen und kulturellen Gegebenheiten des Parks, die von nationaler wie internationaler Bedeutung sind, zu schützen. Ohne die touristischen Besucher würde der Sinn der Schutzmaßnahmen teilweise verloren. Der heutige Tourismus im Park ist das Produkt seiner Entwicklungsepochen in der Vergangenheit.

Die Plitvicer Seen werden schon im 16. Jahrhundert in der Literatur erwähnt. Dennoch bleiben sie aufgrund der geschichtlichen Umstände bis zur zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wenig bekannt. Bis dahin besuchen sie nur wenige Reisende und durchziehende Abenteurer. Wegen der Unsicherheit und Nähe der türkischen Gefahr wird das romantische, zu dieser Zeit geradezu wilde Gebiet „Teufelsgarten“ - “Hortus diabolus“ genannt.

Mit der Beruhigung der Lage an der österreichisch-türkischen Grenze im 19. Jh. wird das Gebiet der Plitvicer Seen zunächst für Militärgeneräle interessant. Es beginnen umfassendere Vermessungen. Die Schönheit der Plitvicer Seen wird entdeckt und zieht viele Prominente an. Sie werden in zahlreichen Reiseberichten, historischen Texten und literarischen Werken beschrieben.

Auf Initiative und mit finanziellen Mitteln von Generälen wird im Jahr 1861/1862 das erste Übernachtungsobjekt für Reisende, genannt Touristen-, Reise- bzw. Kaiserhaus, gebaut. Das Haus hat zu Beginn nur drei Zimmer, wird jedoch mehrmals erweitert, besonders während des Aufenthalts von Kronprinzessin Stephanie im Jahr 1888. Im Artikel „Von den Plitvicer Seen“ von 1890 schildert der Autor seine Eindrücke vom Reisehaus: „Hier gibt es Hähnchen- und Lammfleisch, guten Wein und Bier, außerdem Mineralwasser und alles ist billig, sauber und köstlich. Hierher sollen „unsere Leute“ kommen, die sich im grünen Wald erfrischen möchten. Hier sollen sie ihr Geld ausgeben und nicht in der Fremde das suchen, was ihnen die Heimat bietet.“ Das erste nennenswerte gastronomische Angebot formiert sich gegen Ende des 19. Jahrhunderts.

Ende des 19. Jahrhunderts beginnt auch die Entwicklung von Tourismusreisen zu den Plitvicer Seen, was mit den Aktivitäten der von Prof. Dr. Gustav Janecek 1893 in Zagreb gegründeten „Gesellschaft zum Schutz und zur Verschönerung der Plitvicer Seen“ verbunden ist. Die Gesellschaft, deren Mitglieder allesamt den damaligen wissenschaftlichen und kulturellen Kreisen (Gustav Janeček, Katarina Milka Trnina, die Grafen Pejačevići und andere) angehörten, hat sich zunächst verstärkt der Etablierung touristischen Angebots gewidmet und damit begonnen, die Menschen zum Besuch der Plitvicer Seen zu motivieren. In sein Regelwerk hat die Gesellschaft erstmals den planmäßigen Bau touristischer Infrastruktur im Gebiet Plitvice aufgenommen, mit dem Ziel möglichst viele Besucher anzuziehen. Von 1894 bis 1896 wird über dem See Kozjak ein Hotel mit 28 Zimmern im regionalen Stil gebaut. Für die Fahrt auf dem See werden zwei Boote besorgt. Wege, Pfade und Ruheplätze werden angelegt, Wegweiser und Schilder sowie Bänke und Lampen aufgestellt. Die Gesellschaft erstellt und verteilt Plakate über die Plitvicer Seen. In heimischen und ausländischen Zeitungen veröffentlicht sie Artikel zu den Seen. Viele Wege und Pfade innerhalb des von der Gesellschaft angelegten Rundganges sind nach den Mitgliedern der Wiener Kaiserfamilie benannt, von denen viele wie Großherzog Joseph, Kaiser Franz I. und Kaiserin  Karolina Augusta, die Kronprinzessinnen Stephanie und Dorothea die Plitvicer Seen besuchten. So entstehen Dorotheas Weg in der Schlucht der Unteren Seen, Stephanies Weg am Ufer des Sees Kozjak entlang, Stephanies Insel im See Kozjak, der Prinzenweg entlang der „Velika Poljana“ bis zum See Kozjak und das Große Schiff bzw. die Schiffsanlegestelle am See Kozjak. 

1891 wurden die Plitvicer Seen erstmals an die Straßen aus Richtung Karlovac angebunden. Symbolisch ist auch das Jahr 1894, als die Besucherzahl auf 1000 stieg.

Immer stärker wachsende Verkaufszahlen und die Veränderung des Aussehens des Seenraumes veranlassten die Gesellschaft 1916 dazu, dem kroatischen Parlament die Verabschiedung eines Gesetzes zum Schutz der Plitvicer Seen und ihre Deklarierung als Nationalpark vorzuschlagen. Das wurde dann auch so umgesetzt. Am Anfang wurde das Gesetz jedes Jahr erneuert.

Nach einer Reihe wissenschaftlicher Untersuchungen, vor allem denen von Dr. Ivo Pevalek, der 1928 als erster das Phänomen der Entstehung des Travertins und der Seen darlegte, reifte das Bewusstsein über die Notwendigkeit, die Plitvicer Seen zum Nationalpark zu erklären. Im selben Jahr werden sie zusammen mit Štirovača im Velebit zum ersten kroatischen Nationalpark erklärt. Leider dauerte der per Gesetz erlassene Schutz aber nicht länger als ein Jahr.

Zwischen den beiden Weltkriegen fand keine nennenswertere touristische Entwicklung statt. Es wurde der Versuch gemacht, die Seezonen zum Zweck einer intensiveren Bebauung zu parzellieren, was glücklicherweise nicht erfolgte. Nach dem zweiten Weltkrieg und der Erklärung zum Nationalpark am 8. April 1949 erfasste die große Tourismuswelle auch die Plitvicer Seen. Der Tourismus wird so zu einem Wirtschaftszweig, der dieses gut erhaltene Naturkunstwerk in den Mittelpunkt stellt. Die Förderung des Tourismus wird nun immer planmäßiger betrieben: Im Jahr 1950 wird der erste Regionalplan zum Anlegen des Parks erstellt, worin der Bau von Wegen und Brücken für die Besucher sowie weitere Objekte reguliert wurden. Bedingung hierfür war, den Eindruck unberührter Natur nicht zu zerstören. Von 1954 bis 1958 wird das Hotel „Plitvice“ und eine ganze Reihe weiterer Objekte gebaut, von denen das sog. Objekt 99 das interessanteste ist. Es handelt sich dabei um eine luxuriöse Villa Titos, in der er sich ein paar Mal aufgehalten hat.

In den sechziger Jahren des 20. Jahrhunderts wurde das System der Holzpfade und -brücken geschaffen. In den siebziger Jahren wurden dann zwei Züge gekauft, die den Besuchern seitdem neben zwei Elektrobooten die Natur auf dem See Kozjak noch näher bringen.

Die Plitvicer Seen wurden 1979 zum Zweck des Schutzes von Räumen mit außergewöhnlichem Wert auf die UNESCO-Liste des Weltnaturerbes aufgenommen. Während der 1970er und 1980er Jahre kam es zum stärksten Anstieg der Besucherzahlen und zum intensivsten Bauen neuer Kapazitäten.     

Während des Jugoslawien-Kriegs, in dem die touristische Infrastruktur weitgehend zerstört wurde, war das Gebiet des Nationalparks für Besucher unzugänglich. Danach erholte sich der Tourismus sehr schnell. Im Jahr 2006 kamen über 860 000 Besucher aus der ganzen Welt in den Nationalpark.

Die Plitvicer Seen sind weltweit ein Juwel unschätzbaren Wertes. Ihre spezifische Schönheit ist ein Zufluchtsort für Naturliebhaber und inspiriert viele Künstler. Die Einzigartigkeit der Seen und der Reichtum an Natur fesseln die Wissenschaftler. Das heutige Angebot der Plitvicer Seen ermöglicht den Besuchern, den Nationalpark  in einem geführten organisierten Programm kennen zu lernen, dass sie zu Fuß, im Elektroboot oder im Panoramazug zurücklegen können. An weiteren Aktivitäten sind Fotografieren, Rudern, Bergsteigen und Skifahren möglich. All das und die Unterkunft in zeitgemäß ausgestatteten Hotels ermöglichen den Besuchern, in dieser ungewöhnlich schönen Gegend einige unvergessliche Tage zu erleben. Das Hotel „Jezero“*** verfügt über 229 Zimmer, das Hotel „Plitvice“** hat 51 Zimmer, das Garni Hotel „Bellevue“** 70 Zimmer und das Hotel „Grabovac“ 31 Zimmer. Ein bedeutendes Element des … Am Rundweg der Seenzone erwarten die Besucher zahlreiche Cafes sowie das Restaurant „Poljana“. Am Südeingang des Nationalparks liegt in attraktiver Lage das Restaurant „Borje“ mit seiner guten Küche. Einen ganz besonderen Platz im gastronomischen Angebot des Parks nimmt das Restaurant „Lička kuća“ (Lika-Haus) mit reichem Angebot an traditionellen Speisen und seiner einzigartigen Architektur ein. 

Der Sinn der Institution Nationalpark besteht darin, eine ungestörte Entwicklung der Natur zu gewährleisten und die Schönheit des Parks jedem Besucher näher zu bringen. Dabei gilt es, das natürliche Gleichgewicht und die biologische Vielfalt zu wahren. Diese schwierige Aufgabe bedarf maximaler Anstrengung aller Parkangestellten, aber auch der Unterstützung durch eine breite Öffentlichkeit. Wir sind davon überzeugt, dass das Naturschauspiel auch weiterhin die nötige Unterstützung finden wird.