Wasser formt die Plitvicer Seen - Geomorphologie

Das Gebiet der Plitvicer Seen gehört zum dinarischen Karstgebiet, das von geologischem Carbonat-Untergrund, zahlreichen Karstformen, wenigen oberirdischen Wasserläufen und einer ausgeprägten Verbindung zwischen Oberfläche und Untergrund durch viele Schluchten geprägt ist. Große Wassermengen und die Entstehung von Seen sind in einer solchen Landschaft ein außergewöhnliches und wertvolles Phänomen.


Eine wichtige Rolle in diesem System spielt das Einzugsgebiet, das die Seen mit Wasser versorgt. Es ist ausgesprochen durchlässig mit vielen unterirdischen (Grotten und Höhlen) und oberirdischen (Dolinen und Poljen) Karstformen, aber arm an oberirdischen Wasserläufen. Es ragen Kalksteingipfel empor, unter ihnen auch der höchste - Seliški-Gipfel (1279 m). Unterirdisch stößt das Wasser auf ein Hindernis - einen undurchlässigen Fels - fließt an ihm entlang auf die Oberfläche empor und bildet viele Bäche, die die Seen mit Wasser versorgen. Die wichtigsten Quellen sind die des Schwarzen und Weißen Flusses. Auf dem undurchlässigen Untergrund entstanden die Oberen Seen ("Gornja jezera"): "Prošćansko jezero", "Ciginovac", "Okrugljak", "Batinovac", "Veliko jezero", "Malo jezero", "Vir", "Galovac", "Milino jezero", "Gradinsko jezero", "Burgeti" und der größte Plitvicer See "Kozjak". Die Unteren Seen ("Donja jezera") "Milanovac", "Gavanovac", "Kaluđerovac" und "Novakovića Brod" sind Teil einer auf dem Kalksteinuntergrund entstandenen Schlucht und gehören zum durchlässigen Gebiet, wo das Wasser in zahlreichen Spalten des Untergrunds versickert. An der Oberfläche ragen zwischen den vielen Senkungen, den sog. Dolinen, Kalksteinblöcke wie kleine Türme empor.


Das Wasser des Bachs "Plitvice" stürzt von einem 78 m hohen Fels hinab und bildet den höchsten Wasserfall Kroatiens, den Großen Wasserfall ("Veliki slap"). Zusammen mit dem Seewasser bildet er das Sturzbett "Sastavke", womit der Fluss "Korana" entspringt.


Das Wasser ist das Element, das neben den tektonischen Bewegungen in der Vergangenheit durch seine mechanische und chemische Kraft das Plitvicer Gelände formt.


In der chemischen Zusammensetzung des Karstuntergrundes, des Kalksteins und Dolomits, liegt der Grund, warum das Wasser der Plitvicer Seen so reich an geschmolzenem Calciumcarbonat ist. Indem das Regenwasser die obere Bodenschicht durchfließt, absorbiert es das Kohlendioxid und dadurch entsteht milde Kohlensäure. Die Säure wirkt korrosiv und löst den Kalkstein und Dolomit auf. Auf diese Art und Weise wird die Säure mineralisiert und an Calcium- und Magnesiumbicarbonat übersättigt. Das so entstandene Wasser quillt empor, seine Tropfen sprenkeln und das meiste Wasser verdunstet. Das Calciumcarbonat formt kleine Kristalle, die sich im Wasser absetzen und Barrieren bilden.


Das an Calciumcarbonat übersättigte Wasser ist eine der Bedingungen für die Travertinbildung. Er entsteht auf Moossprössen, wo Millionen schleimlösender Algen und Bakterien leben. An den Schleim heften sich dann die Calcitkristalle, die zum "lebendigen Stein" werden. Die häufigste Moosart, die die senkrechten Travertinbarrieren bedeckt und an der Travertinbildung teilnimmt, ist Cratoneuron comutatum. Sie wird schnell zu Stein. Das Moosaussehen ist im Travertin gut erhalten. An den ruhigeren Stellen bildet die Wassermoosart Bryum pseudotriquetrum den Travertin-Typ Bryum. Diesem Typ gehört der Travertin, der die "Sastavke" bildet.


Ein prominenter Forscher, der die Travertinbildung in den Plitvicer Seen erforschte, war das Akademiemitglied IVO PEVALEK. 1926 schrieb er: "Das Wesentliche an den Plitvicer Seen sind der Travertin und die Travertin bildenden Pflanzen, und zwar Algen und Moose...". Deshalb ist das Hauptphänomen und zugleich die wichtigste Bedingung für die Erhaltung der Plitvicer Seen eine fortwährende Bildung des phytogenen Travertins.